Unterwegs und wieder daheim – Fontane Reiseerlebnisse

Foto: Ursula Oehme

Von Christine Klein

Am 24.Juni 2020 hatte die Leiterin des Leipziger Fontane-Kreises und unermüdliche Initiatorin der regelmäßig in der Stadtbibliothek stattfindenden Veranstaltungen zu einem langersehnten „Wiederhören“ Fontanescher Reiseerlebnisse eingeladen. Der infektiologischen Situation geschuldet, musste die Hörerschaft leider auf 25 Personen begrenzt werden.

Am frühen Abend trafen sich die geladenen Gäste in dem wohlbekannten Lindenauer Biergarten „Gambrinus“ und verbrachten unter alten Bäumen einen vergnüglichen Abend mit Texten des „Reiseschriftstellers“ Fontane, der unter dem Motto „mehr als Weisheit aller Weisen galt mir reisen, reisen, reisen“ ein Leben lang unterwegs gewesen ist und darüber in Reiseberichten und vielen Briefen an seine Familie und die zahlreichen Freunde geschrieben hat.

Fontane, der die ziemlich neuen Erfahrungen des Massenreisens beschrieb und sich nicht scheute, seine Eindrücke auch mit drastischen Worten zu schildern, zeigt ein Phänomen, das wir Nachgeborenen alle kennen, dem wir uns stellen können oder auch nicht. Das Gedicht  Brunnenpromenade, ein köstliches Sittenbild vom Jahrmarkt der Eitelkeiten – erlebt bei einem Kuraufenthalt in Bad Kissingen im Jahr 1889 – heute so aktuell wie damals. Und dieses Fazit kann man bei nahezu allen der geschilderten Reiseerlebnisse ziehen, ob es sich um den Massentourismus (Modernes Reisen), die Qual der Wahl, den Reiseort für „die schönsten Wochen des Jahres“ zu bestimmen (Wohin?) und nicht zuletzt die Beobachtungen der Table d´hote in Bad Kissingen, die der geneigten Zuhörerschaft wiederholt Anlass zur Heiterkeit gaben und die sehr an das heutige Gebaren bei der Schlacht am Büffet erinnern.

Köstliche Impressionen und Beobachtungen aus Fontanes Feder, gewohnt kultiviert vorgetragen von Helga Sylvester, Michael Raschle und Lutz Hesse, den uns wohlvertrauten Interpreten Fontanescher Texte im Leipziger Fontane-Kreis.

Ein launiger Abend wurde uns in dieser notgedrungen „kulturarmen“ Zeit geschenkt, vielen Dank der Organisatorin und den Akteuren auf der Bühne dafür.

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