Eine Sehnsucht im Herzen – die Fontanes in Italien 1874

Lesung des Fontane-Kreises im Biergarten „Gambrinus“ am 22. Juli 2021

Venedig um 1900, aus Album: Ricordo di Venezia

Die Einnahmen aus der 3. Auflage der Wanderungen und die Erlöse, die ein Gedichtband erzielte, gestatteten es Theodor Fontane im Jahre 1874 über eine gemeinsame Reise mit seiner Frau Emilie nach Italien nachzudenken. Überdies gab es eine direkte Zugverbindung von Berlin nach Neapel, die es erlaubte im (neudeutsch) „Hop on – Hop off“ – Modus die Fahrt jederzeit zu unterbrechen, die Preise waren moderat, das leibliche Wohl der Passagiere wurde von der Eisenbahngesellschaft während der 36stündigen Fahrt garantiert, denn es gab zu den Mahlzeiten einen Halt und die Reisegesellschaft konnte ausgiebig in den gut geführten Bahnhofs-Restaurationen die Mahlzeiten einnehmen. Überhaupt spielte das gute und wohlfeile Essen bei dieser „Grand Tour“  der Familie Fontane eine große Rolle. Während Theodor dem Essen gewaltig zusprach, notierte Frau Emilie in ihren Tagebuchaufzeichnungen stets, das die Gerichte wohlschmeckend und preiswert waren und das „Birra“ ausgezeichnet!

Venedig um 1900, aus Album: Ricordo di Venezia

Die Reise führte über Venedig, Bologna, Florenz, Rom und Neapel, Capri, Sorrent bis in die Campagna, sogar die alte griechische Stadt Paestum wurde besichtigt.  Ein gewaltiges Programm für gerade einmal 8 Wochen im Herbst 1874. Die Reiseeindrücke wurden mit Aufzeichnungen Theodor Fontanes  und den Tagebuch-Eintragungen Emilies illustriert.

In bewährter professioneller und engagierter Weise gelang es Helga Sylvester (Emilie) und  Lutz Hesse (Theodor) die entsprechenden Passagen dem überaus geneigten Publikum vorzutragen.

Venedig heute, Foto: Monika Stoye

Nicht immer war die Unterkunft optimal, manches Mal war das Reisen beschwerlich, dennoch wurde  mit Freuden ein großes Besichtigungsproramm absolviert. Während Theodor über das Reisen und die Notwendigkeit des „Weglassens“ philosophiert,  gibt sich Emilie in ihren Tagebuch eher der prosaischen Beschreibung hin, als da wären Kosten, Mahlzeiten, gesundheitliche Malaisen, mit wem wurde was besichtigt, eine bodenständige Ergänzung zum Ton der Reisereportagen und  Briefe Theodor Fontanes …

Die Textauswahl, wie immer in hervorragender Weise von Monika Stoye besorgt, traf den Nerv der Zuhörerinnen und Zuhörer. Die Italien-Sehnsucht lag in der Luft dieses lauen Sommerabends im Garten der Restauration „Gambrinus“.

Die Fontane-Liebhaber verlebten einen vergnüglichen Abend, der Lust auf Mehr machte, Lust auf Reisen und Wanderungen auf den Spuren Fontanes, Lust darauf, seine eigenen Erlebnisse in „Bella Italia“ neu zu reflektieren.

Text: Christine Klein

2 comments

  1. Kristina Pfeffer says:

    Werte Frau Stoye,
    ich war auf Anregung meiner Schulfreundin Dagmar Dorndeck auf dieser Lesung
    und es war nicht nur ein interessanter, sondern auch vergnüglicher Abend,
    verbunden mit „preiswerten „kulinarischen Genüssen.
    Die Fontane-Briefe wurden nicht gelesen ,sondern erlebt. Toll!
    Herzlichst Kristina Pfeffer

  2. Henner Kotte says:

    Sommer, Sonne, Reisezeit –
    Dass Theodor Fontane nicht zu Hause saß, sondern seine Heimat durchstreifte, beweisen seine „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“.
    Nun war es der Fontane-KreisLeipzig, der Fontanes Reiselust weiter zog als allgemein bekannt.
    Sieben Wochen begab er sich mit seiner Frau Emilie 1874 auf Urlaub nach Italien.
    Wobei er die Stationen im Tagebuch verzeichnete, seine Frau in Briefen.
    Monika Stoye schnitt beider Aufzeichnungen zusammen, so dass Personen, Zeit und Vergnügen am 29. Juli im Garten des Restaurants „Gambrinus“ nachvollziehbar waren.
    Helga Silvester und Lutz Hesse lasen beider Texte mit Verve und Lust, wobei die laue Sommernacht auch später noch vom italienischen Ambiente zehrte.
    Erholsam, gastlich, bildend. Toll.

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