Judith Zander erhält Fontane-Literaturpreis 2021

Kulturministerin Manja Schüle hat heute gemeinsam mit dem Neuruppiner Bürgermeister Nico Ruhle und der Juryvorsitzenden Nadine Kreuzahler die Preisträgerin des diesjährigen Fontane-Literaturpreises vorgestellt. Von der unabhängigen Jury für den gemeinsamen Literaturpreis der Fontanestadt und des Landes Brandenburg wurde die Autorin Judith Zander mit ihrem Roman Johnny Ohneland ausgewählt. Die feierliche Preisverleihung findet am 20. August 2021 in der Kulturkirche Neuruppin statt. Der mit 40.000 Euro dotierte Fontane-Literaturpreis wird in Würdigung Theodor Fontanes als 24-monatiges Stipendium an Autor*innen verliehen, die mit einem Werk erstmalig herausragendes öffentliches Interesse gefunden haben. Der Preis soll sie dabei unterstützen, diesen Weg erfolgreich fortzusetzen.

Judith Zander. Foto:  Bogenberger Autorenfotos
Judith Zander. Copyright: Bogenberger Autorenfotos

Judith Zander wurde 1980 in Anklam geboren und lebt heute in Jüterbog (Landkreis Teltow- Fläming). Sie studierte Germanistik, Anglistik und Geschichte in Greifswald, danach am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie arbeitet als Übersetzerin und veröffentlicht Lyrik und Prosa. Für ihre Werke wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem 3sat-Preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs sowie dem Uwe-Johnson-Förderpreis. Ihr erster Roman Dinge, die wir heute sagten stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Zuletzt erschien im August 2020 bei dtv ihr Roman Johnny Ohneland: Joana Wolkenzin weiß früh, dass sie anders ist. Sie liest stundenlang, verliebt sich in Jungs und in Mädchen. Im vorpommerschen Niemandsland der Neunziger gibt sie sich einen neuen Namen: Johnny. Als die Mutter über Nacht die Familie verlässt, macht Johnny sich auf die Suche nach einem Leben, das ihren eigenen Vorstellungen entspricht. Dabei ist sie oft einsam und immer wieder kompliziert verliebt in Menschen, die sich wie sie zwischen den Geschlechtern aufhalten. Die erste richtige Liebesgeschichte mit einem Studenten aus Luxemburg endet abrupt, als er seine Abreise und den Wunsch, mit einem echten Jungen zusammen zu sein, ankündigt.

Jurybegründung: In Form einer sich über mehr als 500 Seiten erstreckenden Selbstbefragung in der zweiten Person spürt die Autorin Judith Zander Themen wie Identität, Zugehörigkeit und Selbstbestimmung nach. Sie erzählt eine Geschichte über das Glück und Unglück, die Lust und die Last des Dazwischen und des Uneindeutigseins. Johnny Ohneland strotzt vor literarischer Kraft und Intensität und ist ein Tagebau an aufgeworfenen Erinnerungen, ein Werk auch, das den Akt des Erzählens und des Sich-Erinnerns selbst nachfühlbar in Form gegossen hat. In ihm sind lauter Schätze zu heben, Schätze wie dieser Satz: „Das Leben aber ist so, dass man es ohne Verwandlung in Geschichten kaum aushielte, deren Existenz einen erst recht das Leben vor Verwandlung in eine Geschichte kaum aushalten lässt.“

Die unabhängige Jury für den Fontane-Literaturpreis hatte zuvor eine Shortlist für den diesjährigen Preis beschlossen. Ausgewählt wurden dafür – neben Judith Zander – auch Olivia Wenzel mit ihrem Buch 1000 Serpentinen Angst, Björn Stephan mit seinem Buch Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau sowie Anna Prizkau mit ihrem Buch Fast ein neues Leben. Zur Jury gehören:

  • Nadine Kreuzahler (Juryvorsitzende, freie Autorin, Reporterin, Redakteurin des rbb-Inforadio-Formats ‘Starke Sätze – Literatur im Inforadio‘)
  • Prof. Dr. Roland Berbig (Vorsitzender der Theodor Fontane Gesellschaft e.V.)
  • Carmen Winter (Vorsitzende des Landesverbandes Brandenburg deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in der ver.di, Diplom-Germanistin, Autorin, Dozentin)
  • Dr. Peggy Mädler (Dramaturgin, Regisseurin und Schriftstellerin, Preisträgerin des Fontane-Literaturpreises 2019)
  • Johanna Hahn (Geschäftsführerin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Berlin-Brandenburg e.V.)

Der Fontane-Literaturpreis des Landes Brandenburg und der Fontanestadt Neuruppin hat mehrere Vorgänger. Er wurde erstmals von 1913 bis 1922 vergeben, unter anderen an Annette Kolb, Leonhard Frank, Carl Sternheim und Alfred Döblin. Nach 1949 gab es zwei Fontane-Preise: Den Westberliner Preis erhielten unter anderen Hermann Kasack, Peter Huchel, Uwe Johnson, Arno Schmidt, Günter Grass, Wolf Biermann und Wolfgang Hilbig. Der Preis des DDR-Bezirks Potsdam ging beispielsweise an Walter Kaufmann, Christa Wolf und Helga Schütz. Im Jahr 1994 wurde der Fontane-Literaturpreis von Theodor Fontanes Geburtsstadt Neuruppin neu gestiftet, seit 2010 wurde er im Zwei-Jahres-Rhythmus mit Unterstützung des Mäzens Dr. Hans E. Weber vergeben. Zu den Preisträger*innen gehörten  Lutz Seiler, Moritz von Uslar, Christoph Ransmayr und Josef Bierbichler. Im Jahr 2019 wurde der Fontane-Literaturpreis erstmalig gemeinsam durch die Fontanestadt Neuruppin und das Land Brandenburg an die Autorin Dr. Peggy Mädler verliehen. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben.

Weitere Informationen: www.fontanepreis.de

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