Christoph Ransmayr erhält Fontane-Preis für Literatur 2014

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Fontane-Preis für Literatur 2014

Christoph Ransmayr: Atlas eines ängstlichen Mannes

 

  • Öffentliche Preisverleihung/Eröffnung der Fontane-Festspiele: 5. Juni 2014 ab 19 Uhr (Kulturkirche Neuruppin, Virchowstraße 41, 16816 Neuruppin)
  • Lesung von Christoph Ransmayr: Freitag, 6. Juni 2014 ab 18 Uhr
    (Siechenhauskapelle, Siechenstraße 4, Neuruppin)

www.fontane-festspiele.com

 

Reaktion von Christoph Ransmayr: „dass mir in dieses wunderbare Land auch noch goldene Botschaften nachsegeln, natürlich nehme ich alles an und mache alles mit…“

 

Jurybegründung

978-3-10-062951-7_H10Christoph Ransmayrs Buch „Atlas eine ängstlichen Mannes“ ist ein Reisebuch der ganz besonderen Art. Es ist kein Roman, sondern erfindet ein eigenes Genre, einen erzählten Atlas der Welt. In siebzig Episoden reist der Leser mit dem Autor zu den entlegensten und allernächsten Weltgegenden und zu besonderen Menschen und Begegnungen. Wie in einem Kaleidoskop entsteht dabei in hoher poetischer Verdichtung aus winzigen Begebenheiten ein Bild des Menschen auf der Welt, von seiner Existenz mit und gegen die Natur.

Christoph Ransmayr hat hier ein „Lebensbuch“, das vierzig Jahre Reiseerfahrung umfasst, verdichtet. Siebzig Begebenheiten aus allen Teilen der Welt, stets beginnend mit der Formel „Ich sah…“, die aus der Apokalypse des Johannes stammt, fügen sich dabei zu einem Weltbuch, das in atemberaubenden Bildern Leben und Sterben, Glück und Schicksal der Menschen kartographiert. Das erzählende Ich wird zum Beteiligten und zum Zeugen der Einzigartigkeit des menschlichen Lebens.

Ransmayrs Episoden vermischen stilistisch die Formen der Erzählung, der Anekdote, der Skizze und der Reportage, sie scheren sich nicht um Genrefragen. Der Autor ist einer der letzten großen „analogen“ Reisenden, die sich auf das verlassen, was sie sehen und nicht ergoogelt haben. Stets kann sich der Leser auf die Genauigkeit und den Seelengehalt der Episoden verlassen, sich dem inneren Kompass des Autors anvertrauen.

Ransmayr erzählt von den Lachswasserfällen Ontarios, vom Stierkampf in Sevilla, von der Gnade des Fischers seinem einzigen gefangenen Hummer gegenüber, von den Menschen der Osterinseln und an der chinesischen Mauer oder von den Entbehrungen einer laotischen Fischerfamilie. Der reisende Erzähler staunt über die Welt, kein noch so verdecktes Detail bleibt ihm verborgen. Das Staunen, aber auch die Angst, die Welt könnte ihre Erhabenheit, Schönheit und Struktur verlieren, ist den Geschichten eingeschrieben. Viele dieser Erzählminiaturen sind kleine Meisterwerke: dicht, poetisch, anrührend. Immer geht es um den Menschen, seine Geschichte, sein Schicksal.

„Geschichten ereignen sich nicht. Geschichten werden erzählt“, schreibt der Autor im Vorwort. Wie Fontane sich und seinen Lesern die märkische Topografie in ihrer Breite und ihrer Tiefe erzählend erschloss, so skizziert Ransmayr in seinem Erzählwerk die Größe und die Schönheit, die Tiefe und die Tragik des „globalen“ Menschen.

 

Jury

Vorsitz: Dr. Peter Böthig (Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum)

Mitglieder:

  • Dr. Regina Dieterle (Theodor Fontane Gesellschaft e. V., Neuruppin)
  • Dr. Hanna Delf von Wolzogen (Theodor-Fontane-Archiv, Potsdam)
  • Hendrik Röder (Brandenburgisches Literaturbüro, Potsdam)
  • Prof. Dr. Jürgen Schlaeger CBE FEA (Großbritannien-Zentrum an der Humboldt-Universität zu Berlin, Alfred Toepfer Stiftung FVS, Hamburg)

 

Richtlinie

1. Fontane-Preis für Literatur

1.1 Der Literaturpreis würdigt einen/e Autor/in im europäischen Raum, der/die sich durch ihre/seine Arbeiten oder Werke in besonderen Maße hervorgetan hat. Der Preis richtet sich, in Bezug auf die Tätigkeit Theodor Fontanes, an Reiseschriftsteller/innen, Journalisten/innen / literarische Reporter/innen. Darüber hinaus können Übersetzer/innen des Werkes von Theodor Fontane nominiert werden.

Für die Auszeichnung kann das gesamte literarische Schaffen eines Autors oder auch ein hervorragendes Werk maßgeblich sein.

1.2 Die Entscheidung über den Preisträger trifft eine aus 5 Personen bestehende unabhängige Literaturfachleute-Jury, deren Bestätigung durch die Stadtverordnetenversammlung erfolgt. Die Jury kann sich aus Vorstandsmitgliedern der Theodor Fontane Gesellschaft e.V., des Theodor-Fontane-Archivs, Vertretern des Kulturministeriums des Landes Brandenburg, Schriftstellern, ehemaligen Fontane-Literaturpreisträgern, Literaturkritikern, Literaturwissenschaftlern, Medienfachleuten etc. zusammen setzen.

1.3. Die Jury bestimmt aus ihrer Mitte einen/eine Vorsitzenden/e, der/die gemeinsamen Beratungen einberuft und leitet. Es ist mindestens eine beschlussfähige Beratung durchzuführen. Beschlussfähigkeit ist erreicht, wenn mindestens drei Mitglieder anwesend sind. Die Jury fasst Ihre Beschlüsse mit einfacher Mehrheit.

Ein Vertreter der Stadtverwaltung wird zu den Beratungen unterstützend hinzugezogen, er besitzt jedoch kein Stimmrecht.

1.4 Die Preisverleihung erfolgt jeweils zu den Fontane-Festspielen.

1.5 Der Literaturpreis ist mit 5.000,- Euro dotiert.

 

Christoph Ransmayr

Christoph Ransmayr wurde 1954 in Wels/Oberösterreich geboren und studierte Philosophie in Wien, wo er nach Jahren in Irland und auf Reisen wieder lebt. Neben seinen Romanen ›Die Schrecken des Eises und der Finsternis‹, ›Die letzte Welt‹, ›Morbus Kitahara‹ und ›Der fliegende Berg‹ sowie dem ›Atlas eines ängstlichen Mannes‹ erschienen bisher zehn Spielformen des Erzählens, darunter ›Damen & Herren unter Wasser‹, ›Geständnisse eines Touristen‹, ›Der Wolfsjäger‹ und ›Gerede‹. Für seine Bücher, die bisher in mehr als dreißig Sprachen übersetzt wurden, erhielt er zahlreiche literarische Auszeichnungen, unter anderem die nach Friedrich Hölderlin, Franz Kafka und Bert Brecht benannten Literaturpreise, den Premio Mondello und, gemeinsam mit Salman Rushdie, den Prix Aristeion der Europäischen Union. Ein langes Gespräch mit Christoph Ransmayr sowie Texte zu seinem Werk erschienen in ›Bericht am Feuer. Gespräche, E-Mails und Telefonate zum Werk Christoph Ransmayrs‹.

© S. Fischer Verlage

 

Atlas eines ängstlichen Mannes

Ein großer erzählter Weltatlas. Der ›Atlas eines ängstlichen Mannes‹ ist eine einzigartige, in siebzig Episoden durch Kontinente, Zeiten und Seelenlandschaften führende Erzählung. »Ich sah…«, so beginnt der Erzähler nach kurzen Atempausen immer wieder und führt sein Publikum an die fernsten und nächsten Orte dieser Erde: In den Schatten der Vulkane Javas, ins hocharktische Packeis, an die Stromschnellen von Mekong und Donau und über die Paßhöhen des Himalaya bis zu den entzauberten Inseln der Südsee. Wie Landkarten fügen sich dabei Episode um Episode zu einem Weltbuch, das in atemberaubenden Bildern Leben und Sterben, Glück und Schicksal der Menschen kartographiert.

© S. Fischer Verlage

 

Christoph Ransmayr

Atlas eines ängstlichen Mannes

Erschienen 2012 im S. Fischer Verlag

464 Seiten, gebunden

24,99 €, 35,50 sFr, 25,70 € (A)

ISBN: 978-3-10-062951-7

 

Preisträger

1994

– Sigrid Damm, Schriftstellerin/Literaturwissenschaftlerin

1998

– Charlotte Jolles (Sonderpreis anläßlich des Fontanejahres zum 100. Todestag Theodor Fontanes)

International anerkannte Fontaneforscherin, damalige Ehrenpräsidentin der Fontane-Gesellschaft

1999

– Günter de Bruyn, Schriftsteller

2004

– Friedrich Christian Delius, Schriftsteller

2010

– Lutz Seiler, Schriftsteller

Neuausrichtung der Vergaberichtlinie ab 2012. Konzentration auf Reiseschriftsteller. Vergabe alle zwei Jahre zu den Fontane-Festspielen. Hans E. Weber spendet jeweils 5.000 € zur Preisdotierung.

2012

– Moritz von Uslar, Reiseschriftsteller „Deutschboden. Eine teilnehmende Beobachtung.“

2014

– Christoph Ransmayr, Reiseschriftsteller „Atlas eines ängstlichen Mannes“

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