Fontanes Bäume: Ökologisches Erzählen im Realismus

Veranstaltung des Fontane-Kreises Leipzig am 3. Juni 2026

von Lutz Hesse

Liest man die Ankündigung eines Vortrags von PD Dr. Jana Kittelmann in der Leipziger Stadtbibliothek vom 3. Juni, ist man gleichermaßen erstaunt und verwundert: Fontanes Bäume. Das klingt wie ein Vortrag über Landschaftsarchitektur und erschließt sich erst, wenn  man auch den Untertitel erfasst: Ökologisches Erzählen im Realismus. Der Leipziger Fontane-Kreis hatte eingeladen, und zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer waren der Einladung gefolgt. Frau Dr. Kittelmann entwarf einen Kosmos, der weit über Fontane hinausging und nicht nur das literarische Erzählen in den Blickpunkt rückte. Sie beschrieb in ihrem sehr ausgewogenen Vortrag die soziale, wirtschaftliche und die ökologische Situation in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dabei wurde den Teilnehmenden klar, dass bereits zu dieser Zeit das Thema in der wissenschaftlichen Literatur eine exponierte Rolle spielte. So widerlegte sie auch den romantischen Blick auf den deutschen Wald, vor allem durch die forstwirtschaftlichen Schriften von Wilhelm Pfeil. Als Autodidakt hatte Pfeil maßgeblichen Anteil daran, den Wald als ökologisches Konstrukt zu betrachten. Selbst Wilhelm und Alexander Humboldt bestärkten Pfeil in seinen Bestrebungen nach praktischer Forschung. Wie diese Erkenntnisse und Analysen von Autoren wie Moritz Hartmann, Berthold Auerbach, Otto Ludwig, Theodor Fontane, Adalbert Stifter und anderen Eingang in die Literatur fanden, wurde im Vortrag sehr anschaulich an Textbeispielen deutlich. Mittlerweile stehen diese Autoren allesamt im Abseits der literarischen Öffentlichkeit. Das ist zu bedauern, denn es zeigt, dass das Thema Ökologie auch heute von dringlicher Relevanz ist. Bereichert und nachdenklich verließ das anwesende Publikum die Stadtbibliothek.

Dr. Jana Kittelmann (Foto: Petra Hesse)

 

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