Veranstaltung des Fontane-Kreises Leipzig am 22. April 2026 in der Stadtbibliothek
Von Lutz Hesse
Es ist fast unglaublich und trotzdem wahr. Es steht nicht im Mittelpunkt seines Schaffens und sollte gewiss nicht veröffentlicht werden. Fontane als Übersetzer. Und noch dazu ein Werk der Weltliteratur: Shakespeares Hamlet. Noch bevor Theodor Fontane das erste Mal Englands Hauptstadt besuchte, hat er dieses Monument Shakespeare‘scher Dramatik übersetzt. Der Grund ist nur zu vermuten. Fingerübung oder ein Herantasten an den Inselstaat. Diese Übersetzung der Öffentlichkeit vorzustellen und damit eine vollkommen neue Seite des großen Realisten deutscher Zunge zu zeigen, war Anliegen eines Abends des Leipziger Fontane-Kreises 22. April 2026 in der Leipziger Stadtbibliothek. Um diesen Abend einzuleiten, beschrieb Dr. Matthias Grüne die Besonderheiten der Übersetzung Fontanes im Vergleich zu der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel, der mit seiner klassisch-poetischen Arbeit den Kanon der klassischen Shakespeare Übersetzungen geprägt hat. In seiner frischen, aufgeräumten Art machte Grüne die zahlreich erschienenen Besucher auf die folgende Lesung neugierig. Michael Raschle las den Text, der 1966 erstmalig vollständig im Aufbau Verlag Berlin erschien. Die Ansage: Jede Figur wird im Dialog benannt. Kurze Inhaltsangaben verdichten das Verständnis. Sein stringenter Vortrag zog die Zuhörerschaft eine dreiviertel Stunde in den Bann. Diese Lesung von hoher Vortragskunst machte diesen Shakespeare‘schen Hamlet transparent und vollkommen. Ein Glücksmoment und großer Jubel und langanhaltender Beifall.

