Emil Thomas: Ziele für Kurzreisen in Berlin-Brandenburg

von Emil Thomas – aus den Mitteilungen Nr. 42

Fontane beschreibt im vierten Band seiner Wanderungen unter anderem die im nahen Umkreis von Berlin gelegenen Dörfer Buch und Blumberg, deren Kirchen er umfangreiche Kapitel widmet. Darin macht er uns bekannt mit Persönlichkeiten, welche die Entwicklung des Landes maßgeblich mitbestimmten. Epitaphien, Grabsteine und Bildnisse, geschaffen von den besten Künstlern Preußens, werden zu Zeitzeugen. Fahren wir also hin, um zu sehen, was von alldem noch anzutreffen ist.

In Buch gilt unser Interesse der evangelischen Kirche, einem wahren Kleinod dieses Berliner Stadtteils. Fontane entnimmt aus einer alten Beschreibung Berlins und seiner Umgebung, dass sie die „schöne Kirche“ genannt wird; ein Anspruch, auf den das Bauwerk seiner Meinung nach kein Recht habe und wohl nur in Zeiten erhoben werden konnte, als man glaubte, „durch Laternen- und Butterglocken-Türme die gotischen Formen unserer alten Feldsteinkirchen ersetzen oder gar noch verbessern zu können“. Wenig schmeichelhaft fährt er fort: „Alles, was dieser Bucher Kirche zugestanden werden darf, ist Stattlichkeit und ein gewisser malerischer Reiz“. Dieses „Zugeständnis“ – ein an sich schon abwertender Begriff – sollte wohl die vorangegangene Kritik relativieren.

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Die Kirche wurde in den Jahren 1731 – 1736 erbaut. Auftraggeber war der Patronatsherr der Gemeinde Buch Adam Otto von Viereck (1684 – 1758). Im November 1943 wurde das Bauwerk durch einen Luftangriff stark beschädigt. Turmaufbau und Dach stürzten in die Kirche und rissen die Emporen mit sich in die Tiefe. Die gesamte Inneneinrichtung wurde bis auf wenige Ausnahmen zerstört. Was blieb, waren die Außenwände. Der Wiedereraufbau erfolgte in den Jahren 1950 – 1953 unter Wahrung der ursprünglichen Architektur, allerdings ohne den früheren Turmaufsatz, auf den wohl wegen dieser notvollen Jahre verzichtet werden musste. Nach mehrmaligen, aufwändigen Restaurierungsmaßnahmen in den Jahren 1995 – 2000 zeigt sich die Kirche äußerlich in einem schönen Rot, das von weißen Pilastern und Säulen unterbrochen wird. Dadurch kommt die reiche barocke Gliederung der Außenfassaden so recht zur Geltung. In ihrem gegenwärtigen Erscheinungsbild hat sie durchaus Anspruch darauf, „die Schöne“ genannt zu werden. Das Innere der Kirche ist betont einfach und schlicht und vermittelt vielleicht gerade dadurch den Eindruck einstigen Reichtums und Vornehmheit.

2Zu der früheren Innenausstattung gehörten die Patronatsloge, die kunstvoll geschwungen Emporenbrüstungen, die Stuckornamente an den Decken und in den Jochen sowie die Chorschranke, die ursprünglich zwischen Kanzel und Altar verlief und den um einige Stufen erhöhten Chor vom Kirchenschiff trennte. Fontane widmet den sonstigen, heute nur noch auf alten Fotografien zu sehenden Schmuckelementen nur wenige Sätze. – Kanzel und Altar sind zwar erhalten geblieben, stehen aber an getrennten Stellen. Verblieben sind ferner ein Sandstein-Taufbecken, eine kleine Uhrglocke, das Wappen derer von Viereck, das die ehemalige Patronatsloge krönte und eine beschädigte Sandsteinfigur, Matthäus darstellend, die zuvor auf der Attika der Südfassade stand. Im Chorraum überstand das von Glume geschaffene Marmor-Epitaph des bereits vorgenannten Adam Otto von Viereck bis auf kleinere Beschädigungen das Inferno. Dieses Denkmal ist das Glanzstück der Kirche, ein auch heute noch reiches und prächtiges Grabmonument. Die detailgetreue Beschreibung Fontanes erlaubt einen Vergleich zwischen dem damaligen und dem heutigen Zustand.

Adam Otto von Viereck begann seine politische Laufbahn weit außerhalb Brandenburgs als Regierungsrat in Kleve und wurde darauf Gesandter in Paris. Persönlich wird er als liebenswürdig mit gewinnenden, bescheidenen und höflichen Manieren beschrieben. Eine mit barocken Ornamenten reich verzierte Vitentafel – Bestandteil des Epitaphs – zählt in Goldschrift (leider ziemlich verwittert) und in lateinischer Sprache die zahlreichen Ämter und Verdienste des Geehrten auf, … „welcher als des Preußischen Königs Minister (…) durch viele Würden und Ehren geglänzt hat“ und endet mit dem Satz „Er hat während fünfzig Jahren sich als den Königen treu und erprobt gezeigt und durch seine Verdienste sich der Könige Gunst und des Vaterlandes Liebe erworben, (…).“ (Die deutsche Fassung entnahm ich dem Führer durch die evangelische Kirche in Berlin-Buch von Dr. Hans-Joachim Beeskow).

Dessen ungeachtet ließ der König in einer eigenhändigen Instruktion dem Generaldirektorium folgendes Monitum zugehen: „Geheimer Rat von Viereck soll sich meritiert machen, nicht zu viel à l`Hombre spielen, diligent und prompt in seiner Arbeit sein, nicht so langsam und faul, wie er bisher gewesen“. Fontane verweist, ob dieser königlichen Mahnung, auf die dazu im Gegensatz stehende lateinische Inschrift auf dem Epitaph und bemerkt: „der Unterschied zwischen preußischen Kabinettsordres und Grabinschriften war immer groß“.

Als verschollen gilt seit Kriegsende eines der bedeutendsten Besitztümer der Bucher Kirchengemeinde. Es handelt sich dabei um ein zehnbändiges Werk mit Schriften Martin Luthers, das Philipp Melanchthon 1559 anlässlich einer Kindtaufe in der Familie des Joachim von Roebel – Vorbesitzer von Buch – der Kirche zum Geschenk machte. Im zehnten Band schrieb er eigenhändig den Paulusvers: „Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern und singet dem Herrn in eurem Herzen“ (Kolosser 3. 16). Fontane schrieb darüber „Dieses Geschenk ist bis diesen Tag das Wertstück und die Zierde des Bucher Kirchen-Archivs“. Deshalb sei es an dieser Stelle wenigstens erwähnt.

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Noch etwas sollte das Interesse des Besuchers wecken: unter der Kuppel, inmitten der Kirche, befindet sich das Grab der so tragisch geendeten Julie von Voss, deren Familie ebenfalls zu den Besitzern von Buch gehörte. Sie wurde am 24. Juli 1766 in Buch geboren und kam 1783 an den Hof der Königin Elisabeth Christine, Gemahlin Friedrichs des Großen, an der ihre Tante, die Gräfin von Voss, Oberhofmeisterin war. Dort lernte sie der Kronprinz, der spätere König Friedrich Wilhelm II., kennen. Dieser, obschon verheiratet, verliebte sich in die schöne Julie, sehr zum Leidwesen ihrer Tante, die ihren großen Kummer darüber ihrem Tagebuch anvertraute, aus dem Fontane umfangreich zitierte. Julie erlag schließlich dem Werben des Kronprinzen und wurde ihm „zur Linken Hand“ angetraut. Sie erhielt den Titel Gräfin Ingenheim. Kurz nach der Geburt ihres Kindes starb sie an einer Infektion. Da sie nicht in der „Mumiengruft“ der Familie, die sich unter dem Chor befand, beigesetzt werden wollte, wurde ihr unter der Kirchenkuppel vor dem Altar das Grab bereitet.

Doch weder Stein noch Gedenktafel haben jemals auf diese Grabstelle hingewiesen. Fontane schreibt „Überall in Buch begegnet man den Spuren der schönen Gräfin, aber nirgends ihrem Namen“. Er glaubte unter der Kuppel eine Vertiefung des seiner Zeit mit Ziegelsteinen verlegten Fußbodens erkennen zu können, unter der er das Grab vermutete. Längst ist dieses Kapitel Geschichte und die Aufhebung des Tabus der Namensnennung überfällig. Die Besucher der Kirche würden es sicher begrüßen, auf diese Grabstelle – vielleicht in Form einer zwischen den Bodenfliesen verlegten Tafel – hingewiesen zu werden.

4Nur wenige Autominuten von Buch entfernt an der Bundesstraße 158 liegt Blumberg. Fontane nennt es treffend ein „freundliches Dorf, fast so freundlich wie sein Name“. Wie aus einer Informationsschrift der Kirchengemeinde hervorgeht, wurde Blumberg im Jahre 1253 gegründet. Etwa zur gleichen Zeit muss mit dem Bau der Kirche begonnen worden sein; fertig gestellt wurde sie um 1240. Etwa zwei Jahrhunderte später, 1460/1465, erhielt die Kirche ihre heutige gotische Form. Unter den vielen Geschlechtern, die Blumberg seither besaßen, findet sich neben Inhabern hoher Staatsämter und Offizieren auch ein Poet. Von ihnen zeugen heute noch Epitaphe, Gemälde und Denkmäler, die Einblick geben in die damalige Kultur- und Sittengeschichte und die deshalb unser Interesse verdienen. Beim Betreten der Kirche fallen die mittschiffs den Kirchenraum trennenden Rundpfeiler in besonderer Weise auf. Sie tragen ein Kreuzrippengewölbe und teilen den Kirchenraum in zwei Schiffe. In dem schlichten Altarraum überraschen die recht farbigen Glasfenster mit biblischen Motiven in modernem Stil. Die sich überkreuzenden Rippenbögen heben sich von den geweißten Innenflächen der Kirche kontrastreich ab. Etwas ungewöhnlich mutet der Standort der Orgel an, der wahrscheinlich nach Abriss einer das Kirchenschiff bis Ende des zweiten Weltkrieges umlaufenden Empore in den Altarraum verlegt wurde.

5Betritt man die Kirche durch den jetzigen Haupteingang an der Südseite, hängen linker Hand zwei Gemälde, das erste zeigt Johann von Loeben und das andere seine Ehefrau, Margaretha geb. von Winterfeldt. Wenden wir uns zunächst dem ersteren zu. Johann von Loeben erwarb Blumberg neben drei weiteren Gütern im Jahre 1602. Auf dem Gemälde tritt er uns als ein älterer Herr entgegen, gekleidet in einer spanischen Tracht aus schwarzem Samt, und die goldene Kanzlerkette verrät seinen hohen kurfürstlichen Rang und Titel. Das Gemälde trug eine inzwischen verloren gegangene Umschrift, aus der Fontane weitere fürstliche Gnaden und Tätigkeiten des Johann von Loeben zitierte. Er starb 1636 im Alter von 75 Jahren. Leider wurde das Gemälde wenige Tage vor meinem Besuch am 30. August 2008 von einem Dieb, der vergeblich versuchte, den Opferstock aufzubrechen, stark beschädigt. Die Leinwand weist unterhalb des Kopfes drei größere Einstichstellen auf.

6Das zweite Bildnis zeigt Margarethe von Loeben, geb. von Winterfeld. Dieses Gemälde wurde von Fontane nicht näher beschrieben, obwohl es darauf nicht weniger Anspruch gehabt hätte. Es zeigt eine – im Gegensatz zu ihrem Gemahl – junge Frau. Sie trägt einen ärmellosen capeförmigen Mantel mit einer weiten, mehrreihigen Perlenkette, die eine Brosche umschließt. Ihr Äußeres verrät Stand und Würde. Unter dem Rahmen finden sich einige Daten aus dem Leben der Margarethe von Loeben. Dort heißt es u. a., dass sie „nach dem absterben ihres Sohnes Joachim, Rittmeister von Loeben 1654, diese Güter Blumberg, Eiche, Dalwitz und Helmstorf in Besitz genommen und regiret, biß sie 1667 verstorben“. Demnach war sie bereits beim Tode ihres Sohnes Witwe. Sie besaß „(…), Tugendt, Kluchheit und Gottseeligkeit, womit sie ihren Nachfolger verpflichtete“, heißt es weiter in der Bildunterschrift.

Das Erbe ging nunmehr auf ihre Tochter über. (Während Fontane noch ihr Bildnis sah und ausführlich beschrieb, gilt es seit längerer Zeit als verschollen. Doch befindet sich ihr Sarkophag, ein massiver Bleisarg, im Turm der Kirche.) Diese Tochter heiratete Konrad von Burgsdorf, ein bewährter Offizier, der bereits in der Armee Georg Wilhelms (1595 – 1640) im dreißigjährigen Krieg focht. Er behauptete den Ort Schweidnitz dreimal erfolgreich gegen die Truppen Wallensteins. Da er auch ein Hofamt hatte, lernte er bereits früh den jungen Kurprinz Friedrich Wilhelm kennen, dessen Zuneigung er bald gewann. Als dieser 1640 das Regierungsamt übernahm, war Burgsdorf Festungskommandant von Küstrin. Gunst und Vertrauen des jungen Kurfürsten ließen ihn in rascher Folge zu höchsten Staatsämtern aufsteigen. Im Jahre 1646 schloss er für seinen Herrn die Heirat mit Luise Henriette von Oranien ab. Doch seine herausragende Stellung verleitete ihn zunehmend zu Übermut und Überheblichkeit; Trunksucht und andere Laster traten hinzu. Als er sich in staatspolitischen Fragen mit dem Kurfürsten überwarf, verlor er – auch wohl auf Anraten der Kurfürstin – alle seine Ämter. Er erkannte nicht, wie Fontane schreibt, dass aus dem „jugendlichen Fürsten, der Große Kurfürst zu werden begann“; er wollte „seines Herren Herr“ sein, was er zeitweilig auch war, und weil er es auch weiterhin bleiben wollte, führte das zu seinem Sturz. Hinzu kam sein frivoles und wüstes Leben. Kostproben seiner Überheblichkeit sind in einem 1705 in Dresden erschienen Buch nachzulesen, aus dem Eduard Vehse in seiner Illustrierte(n) Geschichte des preußischen Hofes (Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1901) berichtet. Zitat: „Der Minister (von Burgstorff) war so hoch gestiegen, dass er Ihro Kurf. Durchl. durffte auf die Axel klopfen und von diesem (…) für einen Vater gehalten ward“. Nach Aufzählung weiterer Despektierlichkeiten heißt es: „Diesem Fehler kam noch bei, dass dieser Minister dem Kurfürsten wollte persuadiren, ’nicht Dero Hochfürstlichen Ehe-Gemahlin allein beizuwohnen, sondern auf Galanterie sich zu verlegen, um nicht so viel rechtmäßige Erben zu haben’ …“. Das war dem sittsam lebenden Kurfürsten, mehr aber noch dessen Gemahlin, der tugendsamen und frommen Kurfürstin Luise Henriette, einer calvinistisch erzogenen Prinzessin von Oranien, nun doch zu viel: „Sie ruhete nicht, bis dieser Minister von dem höchsten Ehrenamt des Hofes in einem Augenblick. Gestürzt und zum Bauernstande versenkt ward. Nachdem ist er auf dem Land ganz sinn- und trostlos gestorben“. So lesen wir auch bei Fontane.

Aus der Ehe Burgsdorf / Loebe ging eine Tochter hervor. Diese schien, wie Fontane schreibt, „ganz ihres Vaters Kind zu sein“. Sie war dreimal verheiratet. Fontanes Kommentar dazu: „Ihr erster Mann (Freiherr von Canitz) starb – das war ein Unglück; von ihrem zweiten Gemahl, einem General von der Goltz, ließ sie sich scheiden – das war erträglich; dass sie sich zum dritten Mal nicht bloß verheiratete, sondern diesen dritten Mann (…) von Paris her sich schicken ließ, …“ ohne ihn vorher gesehen zu haben, war mehr als ihre Mutter, die Oberkammerherrin von Burgsdorf, ertragen konnte. Als Erblasserin überging sie ihre Tochter und übertrug das gesamte Erbe deren Sohn aus erster Ehe, Friedrich Rudolf von Canitz.

Dieser Enkel der Frau von Burgsdorf ging ebenfalls in den Staatsdienst. Aufgrund seiner diplomatischen Fähigkeiten stieg er noch unter dem Großen Kurfürsten zu hohen Ämtern auf. Kurfürst Friedrich III. schickte ihn 1696 nach den Haag, wo er an der Ausarbeitung des Ryswicker Friedens teilnahm. Sein gut erhaltenes Portrait hängt neben der Tür zum Turm.

7Doch seine Bekanntheit bis in unsere Gegenwart verdankt er weniger seinem diplomatischen Können und seinen Ämtern als vielmehr seiner Dichtkunst. Fontane widmet ihm ein eigenes Kapitel und lobt ihn gegenüber seinen Kritikern, die seine Alexandriner unmodern oder gar zopfig fanden. Er war darüber völlig anderer Meinung. Er trieb das Dichten, meint Fontane, „wie man ein poetisches Tagebuch führt (…) und der Stempel des Echten, Wahrhaftigen, an sich selbst Erfahrenen“, zeichnet seine Dichtkunst aus. Sein wohl bekanntestes Gedicht, verfasste er zum Tode seiner ersten Frau. Er nannte es An Doris. Fontane zollt diesem Gedicht größtes Lob, weil es „an Sprache, Form und namentlich auch an Innerlichkeit alles weit zurücklässt, was er außerdem geschrieben hat“. Als Poet verhalf er Blumberg nicht nur zu neuem Glanz, sondern auch zu einem weit über die Grenzen des Landes hinaus reichenden Ansehen. Er starb 1699 im 45. Lebensjahr und wurde in der Berliner Marienkirche, im Röbelschen Erbbegräbnis beigesetzt. Nur wenige Monate nach ihm starb auch sein einziger Sohn und Erbe. Der Besitz fiel nun an seinen Schwager und damit an die Familie von Canstein. Herr auf Blumberg wurde Philipp von Canstein. Doch der konnte sich des neuen Besitzes nicht lange erfreuen. Er fiel am 11. Juli 1708 im Spanischen Erbfolgekrieg in der Schlacht bei Oudenarde. Nicht zu übersehen ist sein prächtiges Epitaph im Chorraum der Kirche.

8Das Denkmal ist sehr gut erhalten. Die in einer Kartusche auf dem stilisierten Steinsarkophag angebrachte Inschrift informiert nicht nur über den, dessen hier gedacht wird, sondern auch über Zeitgeschichte und Umstände seines Todes. Die Inschrift lautet im Originaltext: „Dem  hochwohlgebohrenen Herrn Herrn Philipp Ludwig Freyherrn von Canstein, Herrn der Herrschaft Canstein, Schönberg, Neukirch, Blumberg, Eiche und Helmsdorff, Seine königl. Majestät in Preußen Obristen zu Roß der Gensdarmes, welcher gebohren A.D. MDCLXIX den 11. Apr. durch Geschlecht und Tugend, durch Gottes Furcht und Tapferkeit Ehr- und Lob verdienet und erworben und im Treffen bei Oudenarde wieder die Franzosen im Lauff des glücklich erfochtenen Sieges durch einen Tödtlichen Schuß rühmlich und auf dem Bette der Ehren verstorben, im Jahre des Heyls MDCCVIII den 11. July des Alters XXXIX Jahr und 3 Monath, hat dieses Denkmal zum Zeichen beständiger Liebe und Treue setzen lassen dessen hochbetrübteste Wittwe Ehrengard Maria, Freyfrau von Canstein, gebohrne von der Schulenburg MDCCVIII“. – (Ein Hinweis zu dem hier Geehrten: Er ist ein Bruder des Freiherrn Karl Hildebrandt von Canstein, dessen Name in der „Von Cansteinschen Bibelanstalt“ fortlebt). – Fontane bemerkt nicht ohne Ironie, dass die hochbetrübteste Witwe als Kind ihrer Zeit „in kürzester Frist“ erneut heiratete und als sie abermals Witwe wurde, noch ein weiteres Mal. Doch auch diesen dritten Ehemann überlebte sie. – Über diesen Sachverhalt gibt ein Gemälde, dessen künstlerische Leistung Fontane nicht in Zweifel zieht, in origineller – oder, um mit dem Dichter zu sprechen „ingeniöse(r) Art“ –, Auskunft. Es hängt dem Epitaph gegenüber und zeigt die Witwe in ganzer Figur mit den Medaillonportraits ihrer drei Ehemänner, deren zeitliche Reihenfolge der Maler durch leichte Veränderung der Perspektive deutlich machte: Das Portrait ihres letzten und zeitlich am nächsten stehenden Ehemannes füllt den Bildrahmen weitgehend aus. Sie hält es „mit dem Ausdruck ruhigen Besitzes fest in ihrer Rechten“ schreibt Fontane (tatsächlich hält sie es aber in der Linken). Der zweite, oben rechts auf dem Gemälde, rückt schon etwas in den Hintergrund und das Bildnis des braven Oberst von Canstein „verliert sich in nebelhafter Ferne …“. Er fand in der oberen linken Bildecke Platz. – Das Gemälde stammt von dem Maler du Buisson, einem Schüler des Berliner Hofmalers Antoine Pesne und ist umrahmt von den Wappen der Familien, mit denen die Dargestellte verschwägert oder versippt ist. Der gegenwärtige Zustand des Bildes weist erhebliche Altersspuren auf; es bedarf deshalb dringend der Restaurierung.

9Die Gräfin von der Schulenburg blieb kinderlos und starb 1745. Ihr Sarkophag steht unter ihrem Bild. Sie war „eine große soziale und diakonische Gönnerin für Blumberg“, gründete eine Stiftung für Arme, ein Spital, und andere gemeinnützige Einrichtungen, heißt es in einem kurzen geschichtlichen Abriss der Gemeinde. Nach dem Tod der Gräfin von der Schulenburg übernahmen ihre Neffen Blumberg. Davon zeugen neben zwei stark verwitterten Grabplatten an der Sakristeitür ein weiteres Epitaph im Chorraum für die Eltern der neuen Besitzer: Heinrich Julius von Goldbeck und seiner Ehefrau Henriette Dorothea. Es ist ein Werk von Johann Gottfried Schadow. – Von 1832 bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts übten verschiedene Linien der Familie von Arnim das Patronatsrecht in Blumberg aus.

 

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