Chronik

 

[1819-1835] – Kindheit und Jugend
[1836-1848] – Apotheker und Poet
[1849-1854] – Korrespondent und ‚freier Schriftsteller‘
[1855-1858] – London – Journalist in preußischen Diensten
[1859-1869] – Kreuzzeitungszeit – erste ‚Wanderungen‘
[1864-1871] – Militärhistoriograph
[1870-1890] – Theaterkritiker
[1876-1879] – Freier Schriftsteller – erste Romane
[1880-1898] – Die großen Gesellschaftsromane

 

1819 24. März: Heirat der Eltern Louis Henri Fontane und Emilie Labry;
30. Dezember: Henri Théodore (Theodor) Fontane in Neuruppin geboren

 Löwenapotheke in Neuruppin, Foto von 1998

Das Fontane-Haus nach der umfassenden Restaurierung 1994/95. Theodor Fontane ist der Überlieferung nach im Zimmer hinter den rechten beiden Fenstern im ersten Stock geboren worden. Nach der Privatisierung der Apotheke 1991 erfolgte noch im Herbst dieses Jahres eine Sanierung und ein Umbau der Apothekenräume sowie eine Erneuerung der Einrichtung.
Quelle: Günter Rieger: Das Fontane-Haus in Neuruppin. Berlin/Karwe 1998

 Ansicht von Neuruppin. Stahlstich
Aufbau-Verlag Berlin

Nach der Hochzeit am 24. März 1819 in Berlin zieht das junge Paar drei Tage später in Neuruppin ein. […] Schon drei Wochen später wird dem jungen Apotheker das Bürgerrecht verliehen. Alle Voraussetzungen für ein biedermeierliches Familienglück waren gegeben. […] Doch schon bald muss die Ehe manche Geduldsprobe überstehen. Vater Fontane ist den angenehmen Seiten des Lebens eher zugetan als dem tagtäglichen Einerlei im Geschäft. Häufig ist er Gast im Hotel Zur Krone, spielt mit den Honoratioren der Stadt und Landadeligen und verliert „ein kleines Vermögen“.
Quelle: Günter Rieger: Das Fontane-Haus in Neuruppin. Berlin/Karwe 1998

1821 Geburt des Bruders Rudolph (gest. 1845)
1823 Geburt der Schwester Jenny (gest. 1904)
1827 Juni: Die Familie zieht nach Swinemünde, wo der Vater die Adler-Apotheke erworben hat

 Swinemünde. Stahlstich von Roßmäßler (1834)
Stiftung Stadtmuseum Berlin

An Georg Friedlaender, 22. Oktober 1890:
„[…] es giebt doch wirklich eine Art genius loci und während an manchen Orten die Langeweile ihre graue Fahne schwingt, haben andre unausgesetzt ihren Tanz und ihre Musik […] wie spießbürgerlich war mein heimathliches Ruppin, wie poetisch das aus bankrutten Kaufleuten bestehende Swinemünde, wo ich von meinem 7. bis zu meinem 12. Jahre lebte und nichts lernte […] das Leben auf Strom und See […] englische Matrosen und russische Dampfschiffe, die den Kaiser Nicolaus brachten, – das war besser als die unregelmäßigen Verba, das einzig Unregelmäßige was es in Ruppin gab. Ja, Swinemünde war herrlich […]“

1832 Ostern: Eintritt in die Quarta des Gymnasiums in Neuruppin
1833 1. Oktober: Eintritt in die Gewerbeschule K. F. Klödens in Berlin
1834 Angeregt durch Adelbert von Chamisso: erstes Gedicht in Terzinen – Thema: Die Schlacht bei Hochkirch
1836 1. April: Beginn der Apothekerlehre bei Wilhelm Rose in der Apotheke „Zum Weißen Schwan“ in der Spandauer Straße in Berlin

 Apotheke „Zum Weißen Schwan“.
Lithographie (um 1840)

Stiftung Stadtmuseum Berlin

Mit zweifelhafter Motivation beginnt der sechzehnjährige zum 1. April 1836 seine Lehre in der Apotheke „Zum Weißen Schwan“ bei Wilhelm Rose und schließt sie im Januar 1840 mit der Prüfung zum Apothekergehilfen ab.
„Schönere Gelegenheit zum Dichten ist mir nie wieder geboten worden; die nebenherlaufende, durchaus mechanische Beschäftigung, die Stille, und dann wieder das Auffahren, wenn ich von der Eintönigkeit eben schläfrig zu werden anfing – alles war geradezu ideal […]. Bevor der Herbst da war, hatte ich denn auch zwei größere Arbeiten vollendet: eine Dichtung, die sich ‚Heinrichs IV. erste Liebe‘ nannte, und einen Roman unter dem schon das Sensationelle streifenden Titel: ‚Du hast recht getan‘, […] der Naturalist steckte mir schon im Geblüt […] „
( Von Zwanzig bis Dreißig)

20. Mai: Einzelkonfirmation (zusammen mit Bruder Rudolph) durch Pastor Fournier in der französisch-reformierten Kirche

1837 Erste lyrische Gedichte
1839 Novelle Geschwisterliebe erscheint in der Zeitung „Berliner Figaro“
1840 Abschluss der Lehrzeit als Apothekergehilfe. Gedichte im Berliner Figaro; Roman Du hast recht getan und Epos Heinrichs IV. erste Liebe – beide Texte sind nicht überliefert;
Oktober bis Ende Dezember: Apothekergehilfe in Burg bei Magdeburg
1841 1. April: Gehilfe in der Apotheke Zum weißen Adler in Leipzig;
politisch-literarische Kontakte („Herwegh-Klub“);
Gedichte im Unterhaltungsblatt Die Eisenbahn;
Freundschaft mit Wilhelm Wolfsohn, der Fontane für die russische Literatur begeistert
1842 1. Juli: Fontane erhält eine Stelle in der Salomonis-Apotheke in Dresden bis Ostern 1843 – von dort Gedichte und Korrespondenzen für die Leipziger Eisenbahn
1843 Fontane lebt und arbeitet in der Apotheke des Vaters in Letschin; Übersetzung von Shakespeares Dramen Hamlet und Ein Sommernachtstraum sowie englischer politischer und Arbeiter-Dichtungr

Theodor Fontane. Aquarell von David Ottensooser (1843)
Theodor-Fontane-Archiv Potsdam

Richard an Ernst Kersting,
2. März 1843:
„Fontane ist ein prächtiger Kerl, der mit seinem scharfen Verstand, hellen Geist und glühender Phantasie weit über mir steht, er liebt auch das Schöne und strebt nach dem Guten, aber sonst ein kurioser Kauz. Um Wissenschaft kümmert er sich gar nicht, Charakter habe ich noch nicht viel bemerkt und daher sind seine Grundsätze schwankend, ohne inneren Halt. […] Von Natur sehr sanft und gutmütig, kommen da bisweilen sehr jugendlich aussehende Widersprüche zum Vorschein, wie überhaupt sein geistiger Habitus viel Schönes, Edles, aber auch noch manches Unreife zeigt. Eitelkeit ist seine Hauptschwäche. […] Fontane gibt es auch zu, daß er eitel ist und daß Eitelkeit nicht eben etwas sehr Großartiges sei, aber ganz verdammt er sie doch nicht. Er meint, sie sei ein guter Sporn, der schon manch edles Produkt aus den gern ruhenden Geistern getrieben habe: Lord Byron, Goethe, Schiller […]“

1844 1. April: Beginn des Militärjahrs in Berlin, Freundschaft mit Bernhard von Lepel;
Mai/Juni: Über Hamburg erste Reise nach London;
29. September: Mitglied des literarischen Sonntagsvereins Tunnel über der Spree, dort fortan Vortrag zahlreicher Balladen und Gedichte, schon bald bevorzugt über englische und preußische Stoffe

 Theodor Fontane.
Bleistiftzeichnung von J.W. Burford (1844)

Aufbau-Verlag Berlin

Gedicht:
Als Grenadier (1844):
Es krankt, seit des Gefreiten Schere
Mir meine Locken fortgeputzt,
Mein Flügelpferd an einer Schwere,
Als wär es mit mir zugestutzt.

Je steifer nach dem abgehackten
Kalbfell den Fuß ich setzten muß,
Je steifer wird nach solchen Takten
Auch allemal mein Pegasus.

Jetzt hat man Rock und Helm, den blanken,
Mit all und jedem schon gemein;
Und ging’s, man nähte die Gedanken
Auch gern in Uniformen ein.

1845 1. April: Ende des Militärjahrs. Fontane zunächst Rezeptar in der Apotheke des Vaters in Letschin, ab 24. Juni zweiter Rezeptar in der „Polnischen Apotheke“ in Berlin

Apothekerzeugnis für Theodor Fontane.
Vom Vater ausgestellt am 2. Juli 1845

Theodor-Fontane-Archiv Potsdam

„Meinem Sohne Theodor, Heinrich Fontane, geboren in Neu-Ruppin, stelle ich hiermit gern und pflichtgemäß dies Zeugnis darüber aus: daß er während des Zeitraums vom 1ten Januar bis 1ten July 1845 – der Receptur in meiner Apotheke mit Eifer und Geschicklichkeit vorgestanden hat. – Mehr zu seinem Lobe zu sagen, was ich wohl könnte und möchte, verbietet mir meine Stellung als Vater dieses jungen Mannes, – weshalb denn ich das unterlaße, und damit ende, ihm das beste Glück in seiner neuen Stellung recht aufrichtig zu wünschen.
Letschin den 2ten July 1845.
L: Fontane, Besitzer der hiesigen Apotheke.

8. Dezember: Verlobung mit Emilie Rouanet-Kummer

1846 30. Juni: Fontane scheidet aus der Polnischen Apotheke aus und bereitet sich in Berlin und Letschin auf das Examen vor
1847 2. März: Approbation als Apotheker erster Klasse;
Tätigkeit in der Apotheke Zum Schwarzen Adler in Berlin;
Trennung der Eltern ohne Scheidung
1848 18. März: Die Berliner Zeitungs-Halle bringt vier Artikel Fontanes;
15. September: Anstellung im Krankenhaus Bethanien;
Dramenfragment Karl Stuart
1849 30. September: Verlust der Stelle in Bethanien;
„Freier Schriftsteller“, Korrespondenzen für die Dresdner Zeitung
1850 Männer und Helden. Acht Preußenlieder;
Romanzenzyklus Von der schönen Rosamunde;
August: Eintritt ins Literarische Kabinett;
16. Oktober: Heirat mit Emilie Rouanet-Kummer
1851 Gedichte;
Korrespondenzen für die Erfurter Zeitung und das Danziger Dampfboot;
14. August: Sohn George Emile geboren
1852 Deutsches Dichteralbum. Hrsg. von Theodor Fontane;
April: Fontane reist über Köln, Aachen, Brüssel, Antwerpen, Gent, Ostende und Dover erneut nach London; 25. September: Rückreise nach Berlin, wo am 2. September der zweite Sohn, Rudolf, geboren wurde und am 15. September verstarb
1853 Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848;
Oktober: Dritter Sohn Peter Paul geboren (April 1854 gestorben);
Krankheit (Tuberkulose-Verdacht), Erholungsaufenthalt in Kränzlin und Letschin

 Theodor Fontane.
Bleistiftzeichnung von
Luise Kugler (1853)

Schiller Nationalmuseum/
Deutsches Literaturarchiv Marbach

An eine Königliche Central-Stelle für
Preß-Angelegenheiten:
„Das Ausscheiden des Herrn Dr. Roerdanz[..]lassen mich im Nachstehenden die ergebenste Bitte aussprechen, daß es einer Königl. Centralstelle für Preß-Angelegenheiten gefallen möge, die unterm 14. Oktober d. J. [1853] gegen mich erlassene Kündigung zurückzunehmen und meine Wiederanstellung belieben zu wollen. – Ich spreche diesen meinen lebhaften Wunsch in der Voraussicht aus, daß mit Hülfe der eingetretenen Vacanz alle Gründe beseitigt sind, die vor 6 Wochen die Fortdauer meiner Beschäftigung unmöglich machten, und der Gewährung meiner Bitte entgegensehend, verbleibe ich hochachtungsvoll Ew. Königlichen Centralstelle für Preßangelegenheiten ganz ergebenster
Th. Fontane
Berlin
d. 7ten Decb: 53.“

1854  Ein Sommer in London;
Argo. Belletristisches Jahrbuch für 1854. Hrsg. von Theodor Fontane und Franz Kugler

 Argo. Album für Kunst und Dichtung.
Titelvorsatzblatt aquarelliert von Ludwig Burger (1857)

Theodor-Fontane-Archiv Potsdam

„Die Argonauten“:
Das Titelblatt der „Argo“ von 1857 – die inzwischen den Untertitel „Album für Kunst“ erhalten hatte und nunmehr von den Tunnelmitgliedern Friedrich Eggers, Theodor Hosemann, Franz Kugler und Bernhard von Lepel herausgegeben wurde – zeigt Fontane in der Rüstung eines englischen Ritters im Argo-Schiff vor dem Musentempel an der Seite Paul Heyses, der die Leier schlägt.

Erholungsaufenthalte in Kränzlin und Letschin

1855
Der vierte Sohn, Ulrich, geboren und nach wenigen Tagen gestorben. Korrespondenzen für die „Westfälische Zeitung“;
10. September: Beginn eines mehrjährigen Aufenthalts in London;
Herausgabe der Deutsch-Englischen Korrespondenz;
Berichte über Londoner Theater im „Literaturblatt des deutschen Kunstblatts“;
Thackeray-Lektüre
1856 1. April: Einstellung der Deutsch-Englischen Korrespondenz;
Bestellung zum Presse-Agenten an der Preußischen Gesandtschaft. Ausflüge nach Canterbury, Minster, Stratford, Oxford, Warwick-Castle und Kenilworth;
August/Oktober: Reise nach Berlin; Rückkehr über Bamberg, Nürnberg, Stuttgart, Heidelberg, Mannheim, Paris und Versailles nach London;
3. November: Fünfter Sohn Theodor geboren
1857 Reise zur Kunstausstellung nach Manchester;
Besuch in Chester. Emilie übersiedelt mit den Kindern nach London

 Theodor Fontane.
Bleistiftzeichnung von  Hugo von Blomberg (1857)

Aufbau-Verlag Berlin

„Von Zwanzig bis Dreißig“, ‚Der Tunnel über der Spree‘:
„Unter den Baronen Maler und Dichter, unter den Malern und Dichtern Baron“, hat Fontane kritisch, aber respektvoll über Hugo Freiherr von Blomberg (1820-1871), Maler und Dichter, dessen Tunnel-Name ‚Maler Müller‘ war, und der 1852 Mitglied des Vereins wurde, geschrieben. „Im Tunnel waren wir aller speziellste Nebenbuhler, weil die Ballade sowohl seine wie meine Domäne war. Ja, wir hatten sogar die Spezialgebiete gemein und behandelten beide mit besonderer Vorliebe: das Schottische, vor allem Maria Stuart, und das friderizianisch-Preußische.“

1858 9.-24. August: Reise mit Bernhard von Lepel nach Schottland
1859 15. Januar: Rückkehr nach Berlin über Dover, Calais, Aachen und Köln;
24. Februar-28. März: Reise nach München;
Beginn der Wanderungen-Aufsätze (in den folgenden Jahren viele Touren in die Mark Brandenburg)

 Prospectus.
Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Vier Theile (1882)

Aufbau-Verlag Berlin

Erster Teil. Vorwort.
Die Grafschaft Ruppin, 1864:
„Du mußt nicht allzusehr durch den Komfort der ‚großen Touren‘ verwöhnt und verweichlicht sein. Es wird einem selten das Schlimmste zugemutet, aber es kommt doch vor, und keine Lokalkenntnis, keine Reiseerfahrung reichen aus, dich im voraus wissen zu lassen, wo es vorkommen wird und wo nicht. Zustände von Armut und Verwahrlosung schieben sich in die Zustände modernen Kulturlebens ein, und während du eben noch im Lande Teltow das beste Lager fandest, findest du vielleicht im ‚Schenkenländchen‘ eine Lagerstätte, die alle Mängel und Schrecknisse, deren Bett und Linnen überhaupt fähig sind, in sich vereinigt. Regeln sind nicht zu geben, Sicherheitsmaßregeln nicht zu treffen. Wo es gut sein könnte, da triffst du es vielleicht schlecht, und wo du das Kümmerlichste erwartest, überraschen dich Luxus und Behaglichkeit.“

1860 Aus England und Jenseit des Tweed;
21. März: Tochter Martha (Mete) geboren;
1. Juni: Eintritt in die Redaktion der „Neuen Preußischen (Kreuz)-Zeitung“;
„Unechter Korrespondent“ des englischen Artikels
1861 Balladen
1862 Wanderungen durch die Mark Brandenburg
1863 Reisen nach Hamburg, nach Swinemünde und in andere Ostsee-Orte (Stettin, Heringsdorf, Misdroy)

 Theodor Fontane.
Fotoaufnahme von Loescher und Petsch (1863)

Theodor-Fontane-Archiv Potsdam
Fontane schrieb gerade an „Vor dem Sturm“, als er im Winter 1863/64 auf der Verbindungsbahn vor seiner Berliner Wohnung österreichische Truppen nach Norden in den Schleswig-Holsteinischen Krieg fahren sah. Er “ […] lief ans Fenster und sah auf das wunderbare Bild: die Lowries, die Kanonen, die Leute hingestreckt auf den Lafetten, und alles von einem trüben Gaslicht überflutet […] „
(Aus einem Brief an Ernst Gründler vom 11. Februar 1896)

1864 5. Februar: Sechster Sohn Friedrich geboren;
Reisen nach Schleswig-Holstein (Schleswig, Flensburg, Husum) und Dänemark (Kopenhagen, Roeskilde, Helsingör, Frederiksborg, Aalborg, Fredericia);
Briefe aus Jütland
1865 August/September: Reisen an den Rhein und in die Schweiz;
Scott-Lektüre
1866 Der Schleswig-Holsteinsche Krieg im Jahre 1864;
Reisen auf die böhmischen Kriegsschauplätze (Prag, Kolin, Gitschin, Josephstadt, Königgrätz, Nikolsburg, Brünn), und nach Langensalza;
Reisebriefe vom Kriegsschauplatz im Deckerschen „Fremdenblatt“ (Buchausgabe 1973);
Arbeit an seinem ersten Roman Vor dem Sturm
1867 August: Reise mit Emilie durch Thüringen (Schulpforta, Naumburg, Ilmenau, Weimar, Erfurt, Eisenach) und nach Kissingen;
5. Oktober: Tod des Vaters in Schiffmühle bei Freienwalde
1868 Mai: In Thale (Harz);
August in Erdmannsdorf (Schlesien);
Scott-Lektüre
1869 August/September: Reise mit Familie von Wangenheim nach Schlesien (Hermsdorf, Kynast, Schreiberhau, Warmbrunn);
13. Dezember: Tod der Mutter Emilie Fontane in Neuruppin
1870 Der Deutsche Krieg von 1866, Bd. 1;
20. April: Bruch mit der „Kreuzzeitung“;
17. August: Debut als Theaterkritiker der „Vossischen Zeitung“ im Königlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt

 Berliner Theater-Kritiker.
Eine Kritik der Kritik von Eduard Vollmer. Titelblatt (F. Mitte oben)

Aufbau-Verlag Berlin
Fontane hält sich selbst für einen kunstverständigen Laien und die Position als Außenseiter im Falle der Theaterkritik für einen Vorzug – „wenn nur eine gewisse literarische Bildung und eine gewisse künstlerische Generalveranlagung da ist, die mit leidlich feinfühligen Fingerspitzen gut von schlecht, echt von unecht unterscheiden kann“. Ohne Einschränkung überzeugt bleibt er von Shakespeare. Dessen Figuren bedeuten ihm „über alles Nationale und Zeitbegrenzte hinaus ein ewiges Stück Menschentum“. Berliner Aufführungen des großen Engländers sagen ihm jedoch selten zu, zumal die englische Bühnentradition „noch viele Feinheiten in bezug auf Shakespeare-Darstellung aufweist, über die man in Deutschland nicht so leicht, so vornehm und besserwissend hinweggehen sollte“. Auch an den Inszenierungen Schillerscher Dramen, die glücklicherweise „nicht unterzukriegen“ seien, hat er meist etwas auszusetzen.
Quelle:
Edda Ziegler/Gotthard Erler: Theodor Fontane. Lebensraum und Phantasiewelt.
Eine Biographie. Berlin 1996

Der Gendarmenmarkt in Berlin mit dem Königlichen Schauspielhaus.
Fotochrome (1905)

(Privatbesitz)

Aus „Kritische Jahre –
Kritiker-Jahre“:
“ [..] ich nahm meinen Kritikerplatz ein. – Dies war damals Nr. 23. Schon eine merkwürdige Zahl. In überfüllten Hotels bin ich fast immer in Nr. 23 untergebracht worden und habe da Schreckliches erlebt. Das kann ich nun von Nr. 23 im Schauspielhaus eigentlich nicht sagen, ich habe da viel angenehme Stunden zugebracht, aber ein merkwürdiger Platz war es doch auch […] Das Häßlichste war die Abgesondertheit. Wer eine hohe Meinung von sich hatte, der konnte sich beglückt fühlen […] Für den Eitlen war Nummer 23 ein kurulischer Stuhl, für den weniger Eitlen ein Armesünderbänkchen […] ‚Da sitzt das Scheusal wieder‘, habe ich sehr oft auf den Gesichtern gelesen.“

Reise zum französischen Kriegsschauplatz (Nancy, Toul);
5. Oktober: Fontane in Domrémy verhaftet und über Besançon, Lyon, Poitiers nach der Île d’Oléron gebracht;
5. Dezember: Befreit – über Toulouse, Lyon und Genf Rückkehr nach Berlin

1871 Kriegsgefangen;
Osterreise nach Frankreich (Reims, St. Denis, Rouen, Dieppe, Neuville);
Aus den Tagen der Okkupation;
Der Deutsche Krieg von 1866, Bd. 2
1872 Aufsatz Willibald Alexis;
3. Oktober: Umzug in die Potsdamer Straße 134 c, Fontanes letzte Berliner Wohnung

 Potsdamer Straße 134c.
Fontanes letzte
Berliner Wohnung. Foto

Theodor-Fontane-Archiv Potsdam
Die Wohnung im dritten Stock des Hauses Potsdamer Straße 134c, am 3. Oktober 1872 von den Fontanes bezogen, wurde die letzte Berliner Adresse des Dichters. Die letzten zwei Fenster rechts gehören zu seinem Arbeitszimmer.

Fontanes Berliner Wohnungen seit 1850:
1850-1851:
Puttkamerstraße 6
1851-1855:
Luisenstraße 35
1856-1857:
Bellevuestraße 16
1859:
Potsdamer Straße 33
1859-1862:
Tempelhofer Straße 51
1862-1863:
Alte Jakobstraße 171
1863-1872:
Hirschelstraße 14

 Arbeitszimmer in der
Potsdamer Straße 134c.
Aquarell von
Marie von Bunsen (1898)

Stiftung Stadtmuseum Berlin

Aus einem Brief an Emilie
(Sommer 1884):
“ [..] Wie lebe ich denn in der Reichshauptstadt? Arbeit bis um 3, Mittagbrot, Schlaf, Kaffe, Buch oder Zeitung, Abendspaziergang und Thee. Von 365 Tagen verlaufen 300 nach dieser Vorschrift. Du denkst ‚ich wünsche es so‘. Das ist aber nicht der Fall; ich dürste nach Umgang, Verkehr, Menschen, aber freilich alles muß danach sein und speziell die Formen haben, die mir gefallen, sonst danke ich für Obst und ziehe die Einsamkeit vor. [..] „

1873 Der Krieg gegen Frankreich 1870-71, Bd. 1 (Bd. 2 1875-1876);
Reise nach Tabarz bei Waltershausen;
Besuch von Gotha, Eisenach, Coburg und Schmalkalden. Vorarbeiten zu einem umfangreichen Werk;
Örtlichkeiten deutscher Sage und Geschichte (nicht ausgeführt)
1874 29. September-20. November: Reise mit Emilie nach Italien über Eger, München, Verona, Venedig, Florenz, Rom, Frascati, Neapel, Pompeji, Capri, Sorrent, Salerno, Rom, Piacenza und Verona
1875 Zweite, vermehrte Auflage der Gedichte;
3. August: Reise in die Schweiz, nach Italien und Österreich über Freiburg/Br., Basel, Bellinzona, Locarno, Mailand, Como, Bergamo, Riva, Mantua, Modena, Genua, Pisa, Bologna, Ravenna, Padua, Verona, Innsbruck, Salzburg, Berchtesgaden, Linz, Melk, Wien, Brünn, Prag und Dresden
1876 6. März: Ständiger Sekretär der Akademie der Künste in Berlin. Ende Mai Rücktrittsgesuch;
2. August: Entlassung;
Vor dem Sturm wiederaufgenommen
1877 Oktober: Lokalstudien in Frankfurt/Oder für den vierten Band des Romans Vor dem Sturm
1878 Juli/August: Aufenthalt in Wernigerode;
Lokalstudien in Tangermünde für Grete Minde;
Vor dem Sturm
in der Zeitschrift Daheim veröffenlicht
1879 Juli/September: In Wernigerode an Schach von Wuthenow geschrieben;
Herbst: Arbeit an L’Adultera aufgenommen, Anfang April 1880 beendet
1880 Vaterländische Reiterbilder aus drei Jahrhunderten;
Juli: Fontane reist nach Bremen, Emden und Lützburg;
August/September: In Wernigerode, Vorarbeiten zu Graf Petöfy
1881 Studienreisen für den Wanderungen-Band Spreeland;
Juni/August: In Wernigerode und Thale, Richard-Wagner-Studien
1882 Spreeland
1883 Zola-Studien;
Juli/August: Auf Norderney
1884 Mai: In Hankels Ablage (Zeuthen bei Berlin), Arbeit an Irrungen, Wirrungen; Beginn der Korrespondenz mit dem Amtsgerichtsrat Georg Friedlaender, den Fontane im Sommer in Krummhübel kennenlernt;
September: Fontane bereist Rügen (Stralsund, Bergen, Saßnitz, Stubbenkammer, Herthasee, Lohme, Arkona, Putbus)
1885 Christian Friedrich Scherenberg und das literarische Berlin von 1840 bis 1860;
Juni/September: In Krummhübel, Arbeit an Cécile

 Fontane und Tochter Mete in Arnsdorf.
Fotografie (1886)

Theodor-Fontane-Archiv Potsdam
Fontanes Tochter Martha, genannt Mete (1860-1917), heiratete erst im Januar 1899, dreieinhalb Monate nach dem Tod des Vaters, den um 22 Jahre älteren, bereits zweimal verwitweten Architekten Professor Dr. Karl Emil Otto Fritsch (1838-1915). Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes ist sie in Waren in Mecklenburg, wo das Ehepaar zuletzt lebte, gestorben. Freitod ist angenommen worden, und es hat den Anschein, daß man auch in der Familie darum wußte, doch wurde nach außen Stillschweigen gewahrt. Eindeutige Beweise für oder gegen einen Suizid gibt es bis heute nicht.

1887 Überarbeitung von Stine;
Juli/August: In Rüdersdorf, Arbeit an Fünf Schlösser;
August/September: In Krummhübel, Arbeit an Unwiederbringlich;
24. September: Sohn George gestorben
1888 Stine im Manuskript abgeschlossen;
Arbeit an Frau Jenny Treibel;
Juli/August: In Krummhübel;
Friedrich Fontane gründet einen Verlag (Friedrich Fontane & Co.), in dem nach der Veröffentlichung von Stine (1890) alle Romane des Vaters erscheinen
1889 Dritte, vermehrte Auflage der Gedichte

 Theodor Fontane. Bleistiftzeichnung von
Albert Korneck (1889)

Fotoaufnahme:
Ursula Edelmann

Freies Deutsches Hochstift –
Frankfurter Goethe Museum

Friedrich Rudolf Albert Korneck (1813-1905), Historien- und Genremaler, war seinerzeit ein bekannter Portraitist des preußischen Hofes. Am 30.Juni 1862 schrieb Fontane an seine Frau: „Außerdem wünsch‘ ich daß Du Dich von Korneck malen läßt. Theils alte Bekanntschaft, theils meine Kreuz-Ztngs-Stellung wird ihn dazu sehr willfährig machen…“
Diese ‚alte Bekanntschaft‘ ist in Briefen und anderen Aufzeichnungen Fontanes nicht dokumentiert, und auch ein von Korneck gemaltes Bild Emilies ist nicht bekannt, wohl aber seit 1970 aus Privatbesitz die Bleistiftzeichnung des siebzigjährigen Dichters.

 Theodor Fontane:
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, erste Verse

Theodor-Fontane-Archiv Potsdam

Fontanes Balladenschaffen endete nicht mit dem Erscheinen der Ausgabe bei Wilhelm Hertz, die unter ihrem Titel „Balladen“ allerdings keine Fortsetzung fand; neue Balladen erhielten ihren Platz fortan in den Sammlungen der „Gedichte“. Das populäre Birnbaum-Gedicht ist zuerst 1889 in der „in 151.000 Exemplaren erscheinenden Herbstprobenummer“ der Zeitschrift „Zur guten Stunde“ veröffentlicht worden. „Es ist ein gutes Gedicht, wie Sie vielleicht schon dem Titel abfühlen“.
(Fontane an Julius Rodenberg, 11. Juni 1889)

Fünf Schlösser, Arbeit an Unwiederbringlich, Abschluß von Quitt;
Juni/August: In Kissingen, mit Abstecher nach Bayreuth, danach in Dobbertin und Ludwigslust. Am 16. September stirbt die Stiftsdame Mathilde von Rohr, mit der Fontane seit ihrem Umzug nach Dobbertin im Jahre 1869 einen regen Briefwechsel pflegte. Am Jahresende Abschluß der Tätigkeit als Kritiker bei der „Vossischen Zeitung“

1890 Erste Version von Effi Briest;
Juni/Juli: Emilie und Theodor Fontane in Kissingen;
August/September: In Krummhübel;
Anfang Dezember: Unwiederbringlich vollendet
1891 April: Fontane erhält gemeinsam mit Klaus Groth den Schiller-Preis;
Juni/Juli: Aufenthalt in Kissingen, im August in Wyk auf Föhr. Arbeit an den Poggenpuhls und an der unvollendet gebliebenen Mathilde Möhring;
September/Oktober: Schluß-Redaktion von Frau Jenny Treibel
1892 Vierte, vermehrte Auflage der Gedichte. Arbeit an den Poggenpuhls und an Effi Briest. Schwere, auf eine Influenza folgende, gesundheitliche Krise unklaren Charakters, als endogene Depression diagnostiziert;
Mai/September: In Zillerthal/Erdmannsdorf, vergebliche Kur in Breslau
1893 April: Abschluß des Manuskriptes von Meine Kinderjahre;
August/September: Kur in Karlsbad;
Arbeit an Effi Briest
1894 Meine Kinderjahre;
August/September: Kur in Karlsbad;
8. November: Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Wilhelm-Universität, Berlin auf Vorschlag Theodor Mommsens und Erich Schmidts
1895 Arbeit an dem unvollendet gebliebenen Roman Die Likedeeler;
August/September: Kur in Karlsbad;
Beginn der Arbeit an Der Stechlin
1896 Abschluß der Autobiographie Von Zwanzig bis Dreißig;
Mai/Juni: Aufenthalt in Karlsbad;
August/September: in Waren an der Müritz

 Theodor Fontane.
Portrait von
Max Liebermann (1896)

Theodor-Fontane-Archiv Potsdam
An Martha Fontane,
19. März 1896:
„Ich gehe, wie dir Mama wohl schon geschrieben hat, unruhigen Tagen entgegen. Sitzungstage, Maltage. Ich freue mich aber drauf, einmal weil es nun doch endlich mal ein richtiger Maler ist, dem ich in die Hände falle, dann weil Liebermann ein ebenso liebenswürdiger wie kluger Mann ist.“
Zwei Briefe Fontanes an Liebermann von Ende März 1896 sind überliefert. „Es ist so hundekalt“, und der alte Herr möchte, „einen wärmeren Tag abwarten, ich erkälte mich so leicht.“ Am folgenden Tag bedankt er sich in einem kurzen, undatierten Schreiben: „Sehr erfreut über Ihre eben eintreffenden Zeilen. Natürlich ziehe ich dieses freundliche Arrangement jedem anderen vor.“

1897 Juni/Juli: Abschluß des Stechlin während der Sommerfrische im Augusta-Bad bei Neubrandenburg;
August/September: Kur in Karlsbad
1898 Fünfte, vermehrte Auflage der Gedichte;
Von Zwanzig bis Dreißig;
20. September: Tod Fontanes in Berlin;
24. September: Beisetzung auf dem Friedhof der französisch-reformierten Gemeinde an der Liesenstraße

 Grabstätte Emilie und Theodor Fontanes auf
dem Friedhof an der Liesenstrasse in Berlin

Foto. Privatbesitz
Das Grab, in dem Theodor Fontane, begleitet von Pastor Eugéne Deravanne, am 24. September 1898 beigesetzt wurde, erlitt 1945 Beschädigungen der Grabsteine durch einen Granattreffer. Durch das Französische Konsistorium wurde es 1946 erneuert und erhielt anstelle der beiden Grabsteine aus schwedischem Granit  für beide Eheleute einen Stein. In dem Sperrgebiet gelegen, daß seit 1961 Berlin teilte, war es jahrzehntelang nur schwer erreichbar und wies erheb-
liche Verfallserscheinungen auf. 1989/90 wurde die Grabstätte durch Initiative des Fontane-Archivs [..] wieder in einen würdigen Zustand versetzt.

1902 18. Februar: Tod Emilie Fontanes in Berlin
1917 10. Januar: Tod der Tochter Martha in Waren
1933 Tod des Sohnes Theodor in Berlin
1941 22. September: Tod des Sohnes Friedrich in Neuruppin
Quelle: Helmuth Nürnberger: Märkische Region und Europäische Welt. Bonn 1993